Uhren reparieren

Uhren reparieren mit dem Uhrmacherwerkzeug für Hobby-Uhrmacher.

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Uhren für den militärischen Einsatz

Da zur Einhaltung genauer Zeitabläufe, präziser Navigation und exakter Koordination in militärischen Belangen Uhren mit speziellen Eigenschaften verlangt wurden, hat sich die Uhrenindustrie auf diese Anforderungen mit eigenen Entwicklungen eingestellt.

Für Schiffe waren Schiffschronometer als Hauptuhren zur Navigation und Schiffsuhren für die verschiedenen Abteilungen eines Kriegsschiffes notwendig. Deck-, oder B-Uhren (Beobachtungsuhren) im Taschenuhrformat dienten zur Übermittlung der genauen Uhrzeit zum Kartenraum bzw. an Deck zur Bestimmung der Position mittels Sextant. Artillerie-Beobachtungsuhren dienten zur Ermittlung der Entfernung von gegnerischen Stellungen und 24-Stunden-Uhren dienten zur Zeitnahme auf Unterseebooten oder wurden für die Luftwaffe gebraucht.

In folgenden sind die besonderen Eigenschaften der Militäruhren anhand von Beispielen detailliert aufgeführt. Zunächst aber eine kurze Einführung in die Navigation mit Uhren:

Die Bestimmung der geographischen Breite hat nie sehr große Schwierigkeiten bereitet. Der Sonnenstand wurde mit dem Jakobsstab gemessen, und aus dem so gewonnenen Höhenwinkel zog der Navigator seine Schlüsse.

Die geographische Länge jedoch war nur mit Hilfe einer genau gehenden Uhr festzustellen. Das haben die Astronomen schon sehr früh erkannt, konnten ihr Wissen aber nicht umsetzen, eben weil es keine genau gehenden Uhren gab.

Da die Geschwindigkeit der Erdrotation eine Umdrehung um die eigene Achse in 24 Stunden ausmacht, kann man über den Sonnenstand seine Position relativ zu einem anderen Ort bestimmen, wenn die genaue Ortszeit von beiden Punkten bekannt ist. Die Zeitdifferenz ergibt die Entfernung, nicht in Meilen oder Kilometern, das wäre zu einfach, sondern in Längengraden.

Der Chronometer übermittelt die Ortszeit von Greenwich, und mit dem Sextanten stellt man seine eigene Ortszeit fest.

Sehr beliebt bei Seefahrern war die sogenannte Mittagshöhe, d. h. 12 Uhr Ortszeit, weil für die Positionsbestimmung dann keine Tabellen und Rechnungen notwendig sind. Die Methode ist einfach: Der Navigator stellt mit dem Sextanten den höchsten Sonnenstand möglichst genau fest, gleichzeitig wird auf dem Chronometer die Greenwich-Zeit abgelesen. Da die Sonne in der Stunde am Himmel scheinbar einen Weg von 15 Grad zurücklegt, bedeutet z. B. die Zeitbestimmung eine Stunde später im Vergleich zur Greenwich-Zeit eine Position von 15 Grad östlicher Länge von Greenwich.

Ist die gemessene Ortszeit genau eine Stunde früher als die Chronometerzeit, so befindet sich der Beobachter exakt an einer Position von 15 Grad westlicher Länge von Greenwich.

Heutzutage wird auf den meisten Schiffen, ob nun militärischer oder ziviler Nutzung mittels Satelliten navigiert. Bei einer "triangulären Peilung" benutzt man die Signale von drei verschiedenen, auf einer geostationären Bahn synchron mit der Erddrehung rotierenden Satelliten und ermittelt anhand der verschiedenen Winkeln, aus denen die Satellitensignale empfangen werden, nicht nur die genaue Länge und Breite, sondern man kann aufgrund der extremen Genauigkeit der Signalauswertung sogar die Höhe über dem Meeresspiegel, also die exakte Position des Standortes, ob zu Lande, zu Wasser oder in der Luft, ermitteln. Diese GPS (Global Position Satellites) sind um den ganzen Erdball in einer Höhe von 36.000 km über der Erdoberfläche angeordnet und senden unaufhörlich ein bestimmtes Funksignal. Mit der Auswertung von mindestens drei dieser Signale mittels Computer kann die Position auf der Erde auf wenige Meter genau ermittelt werden. Um bei Ausfall dieses Systemes oder bei Störungen des Satellitenempfanges trotzdem navigieren zu können, ist es immer noch nötig, ein von Stromquellen unabhängiges Zeitmessinstrument und einen Sextanten an Bord eines Schiffes mitzuführen. Diese Schiffschronometer sind nach wie vor auf dem technischen Stand der Entwicklung, die etwa 1770 mit Harrisons "H1" begonnen hat und mit der Produktion von Schiffschronometern bis in die Gegenwart ununterbrochen ist. Noch heute werden in speziellen Werkstätten Chronometer für diese Zwecke hergestellt, deren Konstruktion seit mehr als 50 Jahren nahezu unverändert läuft.

Zur Ermittlung eines genauen "Besteckes", wie im Seemansdeutsch das Ermitteln der Position mittels Uhr und Sextant genannt wird, darf der Schiffschronometer, der sich am ruhigsten Ort mit den wenigsten Schwingungen und dem geringsten Einfluss von Magnetfeldern befinden sollte, nicht bewegt werden. Der Gang dieser Uhr, die beim Verlassen des Heimathafens auf GMT (Greenwich Mean Time) gestellt wird, darf nicht gestört werden. So benötigt man eine sogenannte Deck- oder Beobachtungsuhr (B-Uhr), meist in Form einer Taschenuhr, allerdings mit sehr hochwertigem Uhrwerk und geprüfter Genauigkeit. Diese Uhr wird vor dem Ermitteln des "Besteckes" mit dem Schiffschronometer abgeglichen und kann danach zur Navigation mit an Deck genommen werden. Bei Schiffen, auf denen der Standort des Schiffschronometers nicht weit von der Brücke entfernt war und die Zeit durch Zuruf übermittelt werden konnte, hat man auf das Mitführen von B-Uhren verzichtet. War der Standort des Schiffschronometers hinter der Panzerung von Kriegsschiffen, im unteren Deck oder im Ruderhaus, waren zum Teil mehrere B-Uhren an Bord, damit man beim Ausfall einer Uhr noch genau navigieren konnte. Diese Uhren waren sehr teuer und waren von der Manschaft mit größter Sorgfalt zu behandeln. Bei einer Havarie wurden die Uhren stets als erstes von Bord und

in Sicherheit gebracht. In einer Anweisung der Deutschen Seewarte aus dem Jahr 1945 heißt es im Kapitel "Behandlung der Zeitmessgeräte" wie folgt:

1. Betreuung an Bord: Für die Betreuung der Chronometer, B-Uhren,

Torpedo-Stoppuhren, U-Jagd-Stoppuhren und anderer Zeitmessgeräte,

außer den Artillerie-Uhren, ist an Bord der Steuermannsabschnitt

zuständig. Dieser ist auch für die volle Einsatzfähigkeit der Zeitmessgeräte verantwortlich. Die Betreuung der Artillerie-Stoppuhren führt der Artillerie- Abschnitt durch. Nicht einsatzfähige Uhren sind bei den Ausrüstungsstellen umzutauschen. Für Chronometer ist an Bord ein Chronometer-Tagebuch zu führen. Bei längerer Werftliegezeit sind Chronometer und B-Uhren an die Navigations-Ressorts zur Aufbewahrung zu geben. Es ist dafür Sorge zu tragen, dass B- und Stoppuhren aus den für sie vorgesehenen Überkästen niemals entfernt werden.

2. Bei Landdienststellen: Die Landdienststellen und Kommandos regeln die Wartung der Uhren ihres Bereiches selbständig. Nicht einsatzfähige Uhren sind bei den Ausrüstungsstellen umzutauschen.

3. Allgemein: Es ist zu beachten, dass alles Zeitmessgerät hochempfindliches Präzisionsgerät darstellt und entsprechend sorgfältig zu behandeln ist. Es ist untragbar, dass mit der Instandsetzung unsachgemäß behandelter Uhren eine nennenswerte Zahl von Arbeitskräften beschäftigt wird. Nachweisbare Fälle von fahrlässiger Behandlung sind unnachsichtlich zu ahnden. Der mit der Wartung der Uhren Beauftragte ist darüber hinaus gegebenenfalls zu den Kosten der Reparatur heranzuziehen. Es ist ferner streng verboten, Schä den an Zeitmessgeräten, insbesondere an Chronometern und B-Uhren, mit Bordmitteln zu beheben.

Für verschiedene Schiffsgattungen waren entsprechend ihrer Größe auch entsprechend viele Uhren vorgesehen. Bei den U.S.-Streitkräften waren dies im Zweiten Weltkrieg:

Flugzeugträger, Schlachtschiffe und schwere Kreuzer:

3 Schiffschronometer, 2 bis 3 kardanisch aufgehängte Chronometeruhren und 3 bis 4 Chronometeruhren vom Taschenuhrtyp

Zerstörer, Fregatten, Korvetten und U-Boote:

ein oder mehrere Schiffschronometer, ein oder mehrere Chronometeruhren.

Tender, Lazarettschiffe und Transportschiffe:

je nach Einsatz Chronometer oder Chronometeruhren

Landungsschiffe und Motortorpedoboote:

Chronometeruhren

Chronometer und Chronometeruhren unterscheiden sich in ihrem Durchmesser, der bei letzteren eher einer Taschenuhr entspricht.

Alle Militäruhren wurden entsprechend ihrer Qualität, der Zugehörigkeit zu bestimmten Waffengattungen und ihrer Bestimmung nach gekennzeichnet. Die meisten auch heute noch bekannten Uhrenhersteller haben während des Zweiten Weltkrieges an viele verschiedene Streitkräfte Uhren nach deren Vorgaben mit entsprechenden Kennzeichnungen geliefert. Einige Uhrenhersteller wie vor allem die amerikanischen Marken Elgin, Waltham und Wakman waren sehr intensiv mit der Herstellung von Militäruhren beschäftigt. Die erreichte Qualität war sehr beachtlich und teilweise durchaus mit der Qualität von Uhren der besten Schweizer Hersteller vergleichbar. Die hohe Qualität hatte natürlich auch ihren Preis und beim Wegfall der lukrativen und umfangreichen Rüstungsaufträge ging die Produktion dieser Uhrenfirmen auch herunter. Im Gegensatz zu ihren Schweizer Konkurrenten Longines, Vacheron & Constantin, Patek Philippe oder Zenith vermochten sie die erreichten Leistungen in der Produktion von Präzisionstaschenuhren nicht in entsprechende Armbanduhren umzusetzen, mit denen sie auch auf dem zivilen Markt Erfolg gehabt hätten. Einzig die Firma Hamilton aus Lancaster in Pennsylvania konnte mit der Entwicklung einer elektrischen Armbanduhr einen großen, auch wirtschaftlichen Erfolg feiern. Heute sind die Markenrechte von Hamilton in Besitz der SWATCH Group mit Sitz in Biel/Schweiz. Bei den englischen Uhren verhält es sich ähnlich. Waren bis zum Ende des Ersten Weltkrieges in England nicht weniger als 70 einheimische Uhrenhersteller mit der Anfertigung von Militäruhren beschäftigt, fiel die englische Uhrenindustrie in der Zeit vor 1930 fast komplett der Rezession zum Opfer. Der Grund für diese ursprüngliche Vielzahl waren natürlich die Größe der Flotte und die Tatsache, dass England in der Vergangenheit ständig in irgendeinem Winkel der Welt Krieg führte. Von den einstmals wegen ihrer großartigen Erfindungen weltbekannten Herstellern wie Dent, Kendal & Dent und Mercer - alle aus London - blieb keiner erhalten. Englische Uhren besaßen im Gegensatz zu den meisten anderen noch bis 1915 die typische ¾ Platine und den "English Lever" (die englische Spitzzahnhemmung). Obwohl der "Rest der Welt" bereits mit der besseren und reibungsärmeren Kolbenzahnhemmung mit Steinpaletten (Schweizer Ankergang, siehe Seite 139) gearbeitet hat, war für die englische Admiralität bzw. für ihr königliches Beschaffungsamt nichts anderes vorstellbar als die traditionelle englische Bauweise. Die Anforderungen an Genauigkeit, Werkausführung und Gehäusebeschaffenheit waren extrem hoch, was wiederum zu hohen Preisen führte, die in der von der Wirtschaftskrise erschütterten Zeiten nach dem Ersten Weltkrieg das Aus für alle diese Firmen bedeutete. Bei Armbanduhren wurden zum großen Teil Werke bereits entwickelter Armbanduhrkaliber verwendet, die allenfalls - wo nötig - noch in puncto Genauigkeit oder durch Hinzufügen einer Zentralsekunde überarbeitet wurden. Die namhaften Hersteller fertigten auch hier ihre Produkte - je nach Anforderung und Auftrag - für alle Streitkräfte.

So lieferten Firmen wie IWC, Omega, Zenith, und Ulysse-Nardin sowie Vacheron & Constantin Taschenchronometer sowohl an die deutsche Wehrmacht als auch an die amerikanischen, französischen und englischen Alliierten des Zweiten Weltkrieges. Die Werke mit der erforderlichen Präzision und Ausstattung wurden dann in entsprechend beschaffene Gehäuse eingeschalt. Nickelgehäuse oder vergleichbare Legierungen (Staybright) mit verschraubten Böden, wasserdichten Kronen und geschützten Gläsern wurden verwendet. Bei Zifferblättern waren klare Ablesbarkeit der Indikatoren und Zahlen zu allen Zeiten und bei allen Streitkräften Bestandteil der Spezifikationen. Militärische Uhren besitzen schon deshalb keine Schnörkel und modischen Verschönerungen, meistens handelt es sich um funktionelle, fast klassische Stücke.

Bis zum Zweiten Weltkrieg bevorzugte man römische Zahlen, später dann arabische Ziffern. Niemals wurden Zifferblätter ohne Zahlen benutzt. Das 12-Stunden-Zifferblatt ist vorherrschend, jedoch wurden besonders für Fliegeruhren auch 24-Stunden-Zifferblätter gefertigt. Es gibt sogar Ausführungen mit zweimal 12-Stunden-Blättern, eingeteilt in Tag und Nacht.

Die Farben sind weiß mit schwarzen Zahlen oder schwarz mit weißen Zahlen. Deutsche Militäruhren können auch voll leuchtende Radiumzifferblätter haben. Dieses Material wird seit geraumer Zeit wegen der radioaktiven Strahlung nicht mehr verwendet. Das gilt auch für Zifferblätter mit Radiumzahlen.

Moderne Zifferblätter sind einteilig, d. h. alle Zahlen und Ringe befinden sich in einer Ebene. Bei dreiteiligen Blättern läuft jeder Zeiger in einer eigenen Ebene, bei zweiteiligen Blättern ist nur der Sekundenzeiger versenkt. Die mehrteiligen Blätter kommen hauptsächlich bei älteren englischen und amerikanischen Beobachtungsuhren vor. Minuten- und ebenso Sekundenzeiger reichen bei B-Uhren immer über die entsprechenden Striche hinaus, verdecken diese also vollständig. Kürzere Zeiger sind nicht original. Zifferblätter von Militäruhren tragen oft neben dem Herstellernamen noch die Seriennummer und weitere Angaben, z. B. die Ausgabestelle, Besitzzeichen, Qualitätszeichen und die Information, welche Zeit sie anzeigen.

Die Armbänder dieser Uhren sind meist dem Zweck des Einsatzes entsprechend gefertigt. Die meisten Gehäuse von Militär-Armbanduhren haben keine Federstege, sondern - der Stabilität wegen - feststehende Stege. Die Bänder (meist aus Nylongeflecht) wurden unter den Gehäusen durchgezogen. Die Verschlüsse sind aus rostfreiem Metall und die Bügel zur Halterung des überstehenden Teils des Bandes ebenso. Überlange Bänder wurden für Artilleriebeobachter sowie Flieger verwendet, die die Uhren entweder über der Kleidung oder auf dem Oberschenkel getragen haben. Bei Uhren für Marineverbände wurden auch Gummibänder und Metallbänder verwendet. Die Gattungen der Waffentaucher und Marinetaucher sind neben den Luftwaffenpiloten die einzigen Verbände der Streitkräfte, die auch heute noch Dienstuhren bekommen. Im Fall der Waffentaucher der Marine ist es die Titan-Taucheruhr von IWC, wasserdicht bis 2000 Meter Tiefe.

Auf den folgenden Seiten sind Militäruhren der Streitkräfte Englands, Amerikas, Deutschlands und der Niederlande abgebildet.
 

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